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25. LINKE-Frühschoppen: „Fachkräftemangel“ ist nicht unabwendbar

v.l.n.r. Heike Schittko von der Arbeitsagentur Halberstadt, André Lüderitz, MdL, Andreas Henke, Oberbürgermeister der Stadt Halberstadt, Evelyn Edler, MdL, Dr. Frank Thiel, MdL, Wirtschaftspolitiker und Unternehmer und Monika Hohmann, MdL

Die Frühschoppen-Diskussion am 24. März zum „Fachkräftemangel“, an der trotz eisiger Temperaturen über 50 Interessierte teilnahmen, machte klar, dass die Augen vor diesem Problem nicht verschlossen werden dürfen. Ebenso deutlich zeigte sich, dass eine Überspitzung der Problematik nicht gerecht wird. Zum anderen steht den Fachkräften und den auf sie angewiesenen Unternehmen unter marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Vielzahl von Steuerungsmöglichkeiten zur Verfügung, soweit die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

 

Gleich zu Beginn stellte MdL André Lüderitz fest, dass der gut besuchte Jubiläumsfrühschoppen ein ebenso brisantes Thema zum Gegenstand hat wie die vorangegangenen. Das bestätigten mit einem gewissen Stolz die Urheber dieser Reihe, der Ex Landtagsabgeordnete Ullrich Kasten und Regionalgeschäftsführer Rainer Zühlke.

 

Die Pflöcke für die nachfolgende Diskussion wurden von den Podiumsgästen eingeschlagen. So verwies die Chefin der Halberstädter Arbeitsagentur Heike Schittko darauf, dass die demografische Entwicklung und der Trend der Abwanderung den Harzkreis stärker betreffen als andere Regionen in Deutschland. Bereits jetzt gibt es große Unterschiede in den Branchen. So kann die Agentur Engpässe im Gesundheits- und Pflegebereich feststellen, während das im kaufmännischen Bereich nicht der Fall ist. Viele Jugendliche sind bemüht, ihre Zukunft zu gestalten, während andererseits über 10% die Schule ohne Abschluß verlassen und oftmals unzureichend auf einen möglichen Beruf eingestellt sind. Weitere Potentiale liegen dadurch brach, dass vor allem Frauen in Teilzeit gedrängt werden, ältere Menschen schwer einen Job finden und der Weiterbildung zu wenig Aufmerksamkeit zukommt.

 

Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke machte klar, dass auch die Kommunalpolitik eine entscheidende Rolle spielt. Zu attraktiven Rahmenbedingungen, die die Stadt für Unternehmen schafft, zählte er, dass Fachkräfte in der Stadt interessante Lebensbedingungen für sich und ihre Familien vorfinden.

 

Dr. Frank Thiel, wirtschaftspolitischer Sprecher der Linksfraktion und selber Unternehmer vertrat die These, dass man unter marktwirtschaftlichen Bedingungen erst von einem Fachkräftemangel reden kann, wenn die Löhne steigen. Davon könne jedoch nicht die Rede sein. Der ausgedehnte Niedriglohnsektor, mit dem die Regierung von Sachsen-Anhalt sogar jahrelang als Standortvorteil geworben hat, beweise das Gegenteil.

Indirekt bestätigten das zwei Zahlen, die Heike Schittko als Antwort auf eine Anfrage von Carsten Nell einbrachte. Aus dem Landkreis Harz sind 22.000 Beschäftigte sogenannte Auspendler, besonders nach Niedersachsen, während nur 7.000 Arbeitnehmer von außerhalb im Harzkreis arbeiten.

 

In der offenen Diskussion wurden viele Aspekte umrissen. So verwies Evelyn Edler aus Wernigerode auf die Bedeutung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Quedlinburgerin Marie-Luise Hillbrecht vertrat die Auffassung, dass eine zielgerichtete Bildung bereits mit einer Pflicht zum Kindergartenbesuch beginnen sollte. Marlies Pflaumbaum aus Blankenburg verwies auf die Notwendigkeit, bereits Schülern die Arbeit in Unternehmen nahezubringen.

 

Als Vertreterin des Unternehmerverbandes Harz stellte Beate Bode klar, dass die Unternehmer gute Bedingungen für Lehrlinge und Absolventen schaffen müssen, wozu sie ausdrücklich eine gute Bezahlung zählte.

 

Als ein Ergebnis der zweistündigen Diskussion konnte Moderator André Lüderitz feststellen, dass im Harzkreis das Problem Fachkräftemangel bereits einen gewissen Stellenwert einnimmt. Der Landkreis und die Kommunen sowie vor allem die Unternehmen stehen dabei im Wettbewerb mit anderen Regionen.

 

Abschließend dankten André Lüderitz, Evelyn Edler und Monika Hohmann den Podiumsgästen mit einem wunderschönen Frühlingsblumenstrauß, der alle Anwesenden daran erinnerte, dass auch die kälteste Frühlingsnacht seit 100 Jahren nun der Vergangenheit angehört.

 

Eberhard Schröder