Sachsen-Anhalt ist mit 80 Standorten und ca. 10500 Mitarbeitern eine der bundesweit führenden Standorte von Call-Centern. Spätestens seit dem jüngsten Enthüllungsbuch des sozialkritischen Autors und Journalisten Günter Wallraff hinterlässt dieser Artikel über Sachsen-Anhalt als Zentrum von Call-Centern einen fahlen Beigeschmack.
Wallraff enthüllt in seinem Büch die Geschäftspraktiken und Arbeitsbedingungen in vielen solcher Call-Center. Laut Wirtschaftsministerium und Arbeitsagenturen liegen die Löhne mit 6 bis 7 Euro noch unter den von Gewerkschaften und der Partei Die Linke geforderten existenzsichernden Mindestlöhnen von 7,50 € bzw. 8,00 € pro Arbeitsstunde.
Die Errichtung der Call-Center wird nicht selten mit hohen Subventionen gefördert, die Jobs oftmals von den Arbeitsagenturen. Alles aus Steuergeldern. Läuft die Förderung aus, ziehen nicht wenige solcher Call-Center wie Heuschrecken durch Ostdeutschland zur nächst höheren Fördermittelzone von Land, Kommunen und Arbeitsagenturen.
Dieses Verhalten von einigen Unternehmen auf Kosten der Allgemeinheit kann nicht unkritisch hingenommen werden. Gerade in dieser Branche trifft der Spruch: "Ein Job ist besser als kein Job" eben nicht zu und führt nicht selten zur Ausbeutung von Arbeitnehmern und dem skandalösen Einstreichen von immer knapper werdenden Fördermitteln.
Christian Härtel, Wernigerode