7. Juni 2018

Ein politischer Stammtisch in Quedlinburg

Offen für alle, die sich informieren, mitreden und Gedanken austauschen möchten - ohne gleich zensiert oder zur Ordnung gerufen zu werden. Das ist das Credo einer seit einigen Monaten erfolgreich geübten Praxis einer von den LINKEN im Harzkreis initiierten Diskussionsrunde.

Diese Gespräche sind nicht nur einmalig, sondern auch sehr informativ und zugleich weiterbildend für jeden, der sich öffentlichen Diskussionen stellen muß oder will. Natürlich nur insoweit, wie er/sie selbst es ohne Besserwisserei zu erdulden bereit ist.

Die Themen, die von Naturschutz und Landwirtschaft (ländlicher Raum) über Militär- und Außenpolitik, gelebte Demokratie und entsprechende Bedingungen in unserem Land, die Aktualität der Marx‘schen Ideen usw. reichen, sind besprechenswert und immer anregend, weiter darüber nachzudenken. Dazu gehört auch die Idee des Initiators dieser Runde, Wolfgang Herdam, einmal über unsere „politische Sprache“ oder besser darüber zu diskutieren, wie wir als LINKE nicht selten an den Menschen vorbei reden, die wir eigentlich erreichen möchten oder unbewußt mit Sprachfloskeln gut gemeinte Inhalte falsch oder dem Mainstream gehorchend kolportieren. Dazu gehört m.E. auch die mit Recht zu kritisierende Einstellung mancher Linken, „dass sie die besseren Menschen sind, weil sie gegen Armut und für den Frieden kämpfen...“ (Gregor Gysi in einem Interview mit MZ, 06.Juni, 2018)  Das drückt sich nicht selten auch in der sprachlichen Argumentation aus. Doch zurück zu der sehr anregenden Diskussion über „unsere“ Sprache. Nur ein paar Beispiele, wie sich Begriffe etabliert haben, die tatsächlich entweder dem politischen Mainstream oder falschen Zusammenhängen das Wort reden: „Wertegemeinschaft“ (ist zu hinterfragen, um welche Werte es sich denn handeln soll), „Transferempfänger“ (ist eine Beleidigung für Sozialversicherte), „Bio-Deutsche“ (eine Neuauflage der Arierdefinition, Rassismus), „Privatisierung“ (das ist Kommerzialisierung, Ausverkauf), „Geld in die Hand nehmen“ (besser: einplanen, bereitstellen, vorsehen), „zeitgleich, zeitnah“ (gleichzeitig, baldmöglichst) usw.

Möge jeder von uns über diese und viele weitere Vokabeln nachdenken und unsere schriftlich niedergelegten  z.B. Wahlmaterialien prüfen, ob wir dem gut gemeinten Inhalt in einer Weise gerecht werden, dass das Papier verstanden wird und seinen Zweck erfüllen kann.

Ich fand auch diesen Diskussionsabend am 7.Juni für die Praxis unserer Parteiarbeit sehr anregend.

Bleibt nur noch der Hinweis, dass dieser „Stammtisch“ an jedem ersten Donnerstag im Monat ab 19:00 Uhr in der Quedlinburger „Münzenberger Klause“ in einem Vereinszimmer stattfindet. Interessenten sind zum Mitdiskutieren herzlich eingeladen.

Dr. Ludwig Einicke